Der Bär im Wald

Der Bär im Wald
Audio of the German short story “Der Bär im Wald” created by Shawn Frandsen

Lisa ist eine junge Frau aus Seattle. Sie liebt die Natur. An einem schönen Samstag im September fährt sie zu den Cascade Mountains. Sie will wandern. Das Wetter ist gut. Die Sonne scheint, und der Himmel ist blau.

Lisa parkt ihr Auto am Anfang des Wanderwegs. Sie hat einen Rucksack mit Wasser, Mittagessen und einer Karte. Sie trägt Wanderschuhe und eine warme Jacke. Sie ist allein, aber das ist kein Problem für sie. Sie wandert oft allein.

Der Wanderweg führt durch einen dichten Wald, wie die meisten Wege in den Cascades. Die Westseite der Cascade Mountains ist technisch gesehen ein Regenwald. Die Bäume sind hoch und alt. Lisa hört Vögel. Sie sieht auch einen Fluss. Das Wasser ist klar und sieht kalt und erfrischend aus. Lisa ist glücklich. Sie denkt: „Der Wald ist so schön und ruhig.”

Aber der Wald ist nicht wirklich ruhig. Jeden Tag ist für jedes Tier im Wald ein Kampf ums Überleben, auf Leben und Tod. Sogar für die Spitzenprädatoren wie den Schwarzbären, der sie gerade gerochen hat. Der Bär ist hungrig. Er sucht Essen. Er riecht Lisa und den Inhalt ihres gepackten Mittagessens. Der Bär bleibt stehen und schaut. Er sieht die junge Frau zwischen den Bäumen.

Der Bär beginnt, Lisa zu folgen. Er ist sehr leise. Bären können sich sehr leise bewegen, obwohl sie groß sind. Lisa hört nichts. Sie geht weiter und schaut auf die Bäume und Blumen. Sie macht Fotos und Selfies mit ihrem Handy.

Nach einer Stunde macht Lisa eine Pause. Sie setzt sich auf einen Stein und packt ihr Mittagessen aus. Sie hat sich ein herzhaftes Schinkensandwich gemacht, dazu Vollkornchips und Stangenkäse. Der Bär versteckt sich lautlos hinter den Bäumen. Er ist nur fünfzig Meter von Lisa entfernt. Er beobachtet sie genau. Seine Augen sind auf sie gerichtet.

Plötzlich hört Lisa ein Geräusch. Es ist ein leises Knacken. Sie dreht sich um, aber sie sieht nichts. „Das war wahrscheinlich nur ein Vogel”, denkt sie. Sie steht auf und geht weiter auf dem Weg.

Der Wanderweg wird schmaler. Links ist ein Berg, rechts ist ein tiefes Tal. Lisa schaut auf ihre Karte. „Ich muss noch zwei Meilen gehen”, denkt sie. Sie hat ein bisschen Angst, weil es später wird. Der Himmel wird dunkler. Sie hat falsch eingeschätzt, wie lange die Wanderung dauern würde.

Der Bär ist jetzt sehr nah. Nur zwanzig Meter trennen ihn von Lisa. Er bewegt sich langsam und lautlos zwischen den Bäumen. Er ist im Jagdmodus und wartet nur darauf, dass sein Instinkt ihm sagt, anzugreifen.

Plötzlich hört Lisa wieder ein Geräusch. Diesmal ist es lauter. Sie dreht sich schnell um. Jetzt sieht sie ihn: den großen schwarzen Bären! Er steht nur fünfzehn Meter von ihr entfernt.

Lisas Herz schlägt sehr schnell. Sie hat große Angst. Sie erinnert sich an die Regeln: „Renne nicht weg! Bleib ruhig!” Aber es ist schwer, ruhig zu bleiben.

Lisa hebt langsam ihre Arme. Sie macht sich groß. Sie spricht mit lauter, ruhiger Stimme: „Hey, Bär! Geh weg! Ich bin kein Essen für dich!”

Der Bär bleibt stehen. Er schaut Lisa lange an. Er ist unsicher. Ist diese Person essbar? Lisa geht langsam rückwärts, Schritt für Schritt. Sie schaut den Bären weiter an, aber sie rennt nicht.

Der Bär macht einen Schritt nach vorne. Lisa bekommt noch mehr Angst. Sie nimmt ihr Bärenspray aus dem Rucksack. Sie hält es bereit. „Bitte, geh weg”, flüstert sie.

Endlich dreht sich der Bär um. Er hat den Überraschungseffekt verloren, und Lisas schnelles Denken hat ihn aus dem Jagdmodus gerissen. Er geht langsam zurück in den Wald. Nach ein paar Sekunden ist er verschwunden.

Lisa bleibt einen Moment stehen. Sie erwartet, dass der Bär plötzlich aus dem Gebüsch stürmt. Nichts passiert. Ihre Hände zittern. Sie geht schnell, aber ruhig zurück zu ihrem Auto. Sie schaut immer wieder hinter sich.

Endlich erreicht sie ihr Auto. Sie steigt schnell ein und schließt die Tür. Sie atmet tief durch. „Das war knapp”, sagt sie zu sich selbst. Sie ist sehr froh, dass sie noch lebt.

An diesem Abend ruft Lisa ihre Familie an. Sie erzählt die ganze Geschichte. Ihre Mutter sagt: „Du musst vorsichtiger sein!” Lisa lacht und antwortet: „Ja, keine Sorge, Mama, ich gehe nie wieder wandern.”

Wichtige Vokabeln (Vocabulary)

  • der Wanderweg – the hiking trail
  • der Rucksack – the backpack
  • riechen – to smell
  • folgen – to follow
  • sich verstecken – to hide
  • das Geräusch – the noise/sound
  • der Bär – the bear
  • lautlos – silent, soundless
  • die Angst – the fear
  • rückwärts – backwards
  • das Bärenspray – bear spray
  • zittern – to shake/tremble
  • knapp – close (as in “a close call”)
  • vorsichtig – careful

The Bear in the Forest

Lisa is a young woman from Seattle. She loves nature. On a beautiful Saturday in September, she drives to the Cascade Mountains. She wants to go hiking. The weather is good. The sun is shining, and the sky is blue.

Lisa parks her car at the start of the trail. She has a backpack with water, lunch, and a map. She wears hiking shoes and a warm jacket. She is alone, but that’s not a problem for her. She often hikes alone.

The trail leads through a dense forest like most trails in the cascades. The West side of the Cascades mountains is technically a rainforest. The trees are tall and old. Lisa hears birds. She also sees a river. The water is clear and looks cold and refreshing. Lisa is happy. She thinks: “The forest is so beautiful and peaceful.”

But the forest isn’t really peaceful. Everyday for every animal in the forest is a life or death struggle for survival. Even for the top predators like the black bear that just smelled her. The bear is hungry. He’s looking for food. He smells Lisa and the contents of her packed lunch. The bear stops and looks. He sees the young woman between the trees.

The bear starts following Lisa. He is very quiet. Bears can move very quietly, even though they’re large. Lisa hears nothing. She keeps walking and looks at the trees and flowers. She takes photographs and selfies with her phone.

After an hour, Lisa takes a break. She sits down on a rock and unpacks her lunch. She made herself a hearty ham sandwich, some whole grain chips and some string cheese. The bear silently hides behind the trees. He is only fifty meters away from Lisa. He watches her closely. His eyes are fixed on her.

Suddenly Lisa hears a noise. It’s a quiet cracking sound. She turns around, but she sees nothing. “That was probably just a bird,” she thinks. She stands up and continues on the path.

The trail becomes narrower. On the left is a mountain, on the right is a deep valley. Lisa looks at her map. “I still have to walk two more miles,” she thinks. She feels a little afraid because it’s getting later. The sky is getting darker. She misjudged how long the hike would take. 

The bear is now very close. Only twenty meters separate him from Lisa. He moves slowly and silently between the trees. He is in predatory mode and just waiting for his instincts to tell him to attack.

Suddenly Lisa hears another noise. This time it’s louder. She turns around quickly. Now she sees him: the big black bear! He stands only fifteen meters away from her.

Lisa’s heart beats very fast. She is very afraid. She remembers the rules: “Don’t run away! Stay calm!” But it’s hard to stay calm.

Lisa slowly raises her arms. She makes herself look big. She speaks with a loud, calm voice: “Hey, bear! Go away! I’m not food for you!”

The bear stops. He looks at Lisa for a long time. He is uncertain. Is this person edible? Lisa slowly steps backward, step by step. She keeps watching the bear, but she doesn’t run.

The bear takes a step forward. Lisa becomes even more afraid. She takes her bear spray out of her backpack. She holds it ready. “Please, go away,” she whispers.

Finally, the bear turns around. He lost the element of surprise and Lisa’s quick thinking snapped him out of predator mode. He walks slowly back into the forest. After a few seconds, he is gone.

Lisa stays standing momentarily. She anticipating the bear to suddenly come charging out foff the bushes. Nothing happens. Her hands are shaking. She walks quickly, but calmly, back to her car. She keeps looking behind her.

Finally she reaches her car. She gets in quickly and closes the door. She takes a deep breath. “That was close,” she says to herself. She is very glad that she’s still alive.

That evening, Lisa calls her family. She tells the whole story. Her mother says: “You need to be more careful!” Lisa laughs and answers: “Yes, don’t worry Mom, I’m never hiking again.”


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