Markus zieht die Reitweste zu und prüft noch einmal den Sattelgurt. Neben ihm steht Sarah. Sie zieht die Kapuze ihrer Jacke etwas tiefer, denn der Abendwind bringt bereits die kühle Luft von den Bergen herab. Heute wagen die beiden einen längeren Ritt in das unwegsame Hügelland am Rande des Tals. Es ist ein Gebiet, das sie bisher nur von Wanderkarten kennen.
Ihre Pferde, ein kräftiger Fuchswalach namens Bruno und eine ruhige Schimmelstute namens Luna, schnauben leise in die abendliche Stille. Die Tiere spüren die Aufregung ihrer Reiter. Markus schwingt sich in den Sattel und nickt Sarah zu. Kurz darauf verlassen sie den Hof und reiten im Schritt auf einen schmalen Feldweg zu, der direkt in das dichte Unterholz führt.
Das Tageslicht schwindet langsam. Die langen Schatten der alten Kiefern und Eichen legen sich über den Pfad. Es ist eine fast feierliche Stille im Wald, die nur durch das dumpfe Klappern der Hufe auf dem weichen Waldboden unterbrochen wird. Sarah atmet tief die Luft ein, die nach feuchter Erde, Kiefernnadeln und Moos riecht.
Nach einer Weile wird der Pfad steiler. Die Bäume stehen dichter zusammen, und das Blätterdach verschlingt das letzte Restlicht des Tages. Bruno geht voran und sucht geschickt den sichersten Weg über umgestürzte Äste und glatte Steine. Markus vertraut dem Pferd völlig und gibt ihm mit leichten Zügelhilfen die nötige Freiheit.
Plötzlich bleibt Bruno abrupt stehen und prallt leicht zurück. Seine Ohren stellen sich auf, und die Muskeln unter seiner Haut spannen sich an. Sarah hält Luna sofort an und späht angestrengt in die Dunkulheit voraus.
“Was ist da?”, flüstert Sarah leise, um das Tier nicht noch mehr zu beunruhigen.
Markus kneift die Augen zusammen und beugt sich leicht nach vorn. Zwischen zwei moosbedeckten Felsbrocken bewegt sich etwas. Ein tiefes, dunkles Rauschen dringt an ihre Ohren. Plötzlich bricht eine kleine Herde Wildschweine aus dem dichten Farn und kreuzt eilig den Pfad, um im schützenden Dickicht auf der anderen Seite zu verschwinden.
Luna scharrt unruhig mit dem Huf, bleibt aber stehen. Markus tätschelt Bruno beruhigend am halswarmen Fell. “Alles gut, Alter. Weiter geht’s”, sagt er mit ruhiger Stimme.
Nach wenigen Minuten beruhigen sich die Pferde wieder. Der Weg führt sie nun aus dem steilen Hang heraus auf eine weite, offene Hochebene. Über ihnen bricht der wolkenlose Nachthimmel auf, übersät mit tausenden von leuchtenden Sternen. Der Mond wirft ein silbernes, weiches Licht auf das trockene Gras und die umliegenden Hügel.
Sie halten für einen Moment an und blicken schweigend in die weite Ferne. Der Aufstieg war anstrengend und die Dunkelheit brachte eine unerwartete Prüfung, doch das Gefühl grenzenloser Freiheit überwiegt. Nach einer kurzen Rast wenden sie die Köpfe der Pferde in Richtung Heimat. Der Trab zurück in der kühlen Nachtluft ist leicht und federnd. Als sie schließlich den hell erleuchteten Hof erreichen, sind beide erschöpft, aber voller neuer Energie.
Wichtige Vokabeln (Vocabulary)
- Der Sattelgurt – The saddle girth
- Das Unterholz – The underbrush / brushwood
- Der Fuchswalach – The chestnut gelding
- Schnauben – To snort
- Der Waldboden – The forest floor
- Das Dickicht – The thicket
- Unruhig – Restless / uneasy
- Die Hochebene – The plateau / high plain
- Die Rast – The rest / break
English Translation
The Ride into the Twilight
Markus zips up his riding vest and checks the saddle girth once more. Sarah is standing beside him. She pulls the hood of her jacket down a bit lower, as the evening wind is already bringing cool air down from the mountains. Today, the two of them are daring a longer ride into the rough hill country at the edge of the valley. It is an area they previously only know from hiking maps.
Their horses, a strong chestnut gelding named Bruno and a calm grey mare named Luna, snort quietly into the evening stillness. The animals sense their riders’ excitement. Markus swings into the saddle and nods to Sarah. Shortly afterwards, they leave the farm and ride at a walk toward a narrow dirt path that leads directly into the dense underbrush.
The daylight is slowly fading. The long shadows of the old pines and oaks stretch across the path. There is an almost solemn silence in the forest, interrupted only by the dull clatter of hooves on the soft forest floor. Sarah takes a deep breath of the air, which smells of damp earth, pine needles, and moss.
After a while, the path becomes steeper. The trees stand closer together, and the canopy swallows the last remaining light of the day. Bruno takes the lead, skilfully finding the safest path over fallen branches and smooth stones. Markus trusts the horse completely and gives it the necessary freedom with light rein aids.
Suddenly, Bruno stops abruptly and pulls back slightly. His ears prick up, and the muscles under his skin tense. Sarah stops Luna immediately and peers intently into the darkness ahead.
“What’s there?”, Sarah whispers softly so as not to agitate the animal further.
Markus squints and leans forward slightly. Something is moving between two moss-covered boulders. A deep, dark rustling reaches their ears. Suddenly, a small herd of wild boars breaks out of the dense bracken and hurriedly crosses the path to disappear into the protective thicket on the other side.
Luna paws the ground restlessly with her hoof, but stays put. Markus pats Bruno reassuringly on his warm neck. “All good, buddy. Let’s keep going,” he says in a calm voice.
After a few minutes, the horses calm down again. The path now leads them out of the steep slope onto a wide, open plateau. Above them, the cloudless night sky breaks open, strewn with thousands of glowing stars. The moon casts a silvery, soft light on the dry grass and surrounding hills.
They stop for a moment and look silently into the vast distance. The ascent was strenuous and the darkness brought an unexpected test, but the feeling of boundless freedom outweighs everything. After a short rest, they turn the horses’ heads toward home. The trot back in the cool night air is light and springy. When they finally reach the brightly lit farm, both are exhausted, but full of renewed energy.


